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Tankschiffahrt, ein hohes Lieder der Arbeit.

Von Marinemaler Fitz W. Schulz — Mit 1 Abbildung.

 

 

Der Schimmer der Romantik, der für die „Landratte“ den Seemannsberuf umgibt, verschwände gar bald, wenn sie einmal Gelegenheit hätte, nur eine Reise des Tankschiffes mitzumachen.

Da kommt so ein riesiger Kasten von 15 000 und mehr Tons von vielwöchiger Reise in den Hafen. Er ist kaum festgemacht, noch kein Mann der Besatzung hat einen Fuß an Land gelegt, da kommen schon die Leute an Bord, die die mächtigen Schläuche an den Stutzen befestigen, und bald dröhnt das schwere Stampfen der gewaltigen Pumpen. Gleichzeitig ist auch der Vertreter der Reederei an Bord gekommen. In hastiger Arbeit erledigen Kapitän und 1. Maschinist ihre Arbeit mit ihm. Die übrigen Offiziere sind mit den Lösch- und Proviantübernahmearbeiten mehr als voll beschäftigt. Die Matrosen müssen stets und an jeder Stelle zu Hilfeleistungen bereit sein. In der Maschine sind Maschinisten, Assistenten und alles weitere Maschinenpersonal eifrig an der Arbeit, die Maschine für die ja bald wieder beginnende nächste Reise fertig zu machen. Hängt doch von ihr fast alles ab; moderne Kampf- und Motorschiffe haben keine Segel mehr, die im Notfalle gesetzt werden können, die Maschine muß eben durchhalten. Da heißt es, sie auf Herz und Nieren zu prüfen, jedes Schräubchen, jede Oelleitung durchzusehen, jede der zahlreichen Nebenmaschinen zu kontrollieren. Was nicht schon in Fahrt auf See festgestellt wurde - hier muß es gefunden und entweder allein oder mit Hilfe der Werft beseitigt werden, ehe das Schiff wieder seeklar ist. Denn nach der Maschine kommen noch die Pumpen-, Pumpröhren-, Heiz- und Feuerlöschanlagen an die Reihe, alle mit Ventilen und Schiebern reichlich versehen - auch sie müssen soweit in Ordnung sein, daß sie bei der Leerfahrt zum Überseepetroleumhafen mit Bordmitteln fertiggestellt werden können. In etwa 24 Stunden muß alles erledigt sein. Abwechselnd darf vielleicht jeder einmal für Stunden an Land, um notwendige Besorgungen zu machen oder einen schnellen Gruß mit der Familie zu tauschen. Kaum ist die Ladung draußen und das Schiff überholt, so weht schon der „Blaue Peter“ zum Zeichen, daß das Schiff seeklar, zu neuer Ausreise bereit ist. Der Kapitän, der inzwischen auf der Reederei verhandelt hat, ist wieder an Bord. Die Gangway wird auf Deck zurückgenommen, die Trossen losgeworfen, der Maschinentelegraph schrillt - die neue Reise beginnt.

Leer geht das Schiff in See, Wasser in den Tanks als Ballast, hoch aus seinem Element ragend. Wer aber glaubt, daß jetzt eine Ruhepause für die Besatzung eintritt, befindet sich in schwerem Irrtum. Die schweren Trossen, die Gangway (oder das Fallreep) verschwinden unter Deck, das Schiff wird gesäubert; und dann beginnt eine wahre Höllenarbeit: das Tankreinigen. Sämtliche Oelreste müssen soweit verschwinden, daß sie die zu erwartende neue Ladung nicht verunreinigen. Da heißt es, hinein in die oeltriefenden, glitschigen Räume, 10 Meter und mehr hinunter bis auf den Boden des Schiffes, hinein in das Gewirr von Spanten, Wrangen, Röhren, Ventilen, über die von Oelresten eisglatten Eisenleitern, hinein in den beißenden, erstickenden Oeldunst, der sich wie Bergeslast auf die Lungen legt und die Augen beißt wie Giftgase des Krieges. Ist der Tank erstmalig mechanisch gereinigt, dann geht es ans Spülen mit Wasser und Soda und darauf das Aufdämpfen (Steamen). 4 Stunden rund stehen die Tanks unter Dampf, kochend heiß sind Wände und Luft in ihnen, die Luft zu alledem mit den scharfen Oeldünsten durchsetzt. Trotzdem wieder hinein - die Tanks müssen sauber sein. Nur wenige vertragen diese Arbeit, nur die kräftigsten, und selbst die gehen dick vermummt an diese Tätigkeit, die die Haut beisst wie Höllenstein und mit ihrer Hitze einen wahren Vorgeschmack der Hölle gibt. Hätte Dante diese Arbeit gekannt - er hätte sie in seinem „Inferno“ nicht vergessen, muß sie doch häufig zu allem schon Geschilderten in der Hitze der Tropen, in den warmen Meerestrichen südlicher Breiten ausgeführt werden, wo die Glut der Sonne schon den Aufenthalt auf dem schwarzen Eisendeck zur Qual macht, die Hitze unter Deck aber bis zur Grenze des Erträglichen treibt.

Und ist das Schiff endlich „drüben“im Hafen des Oelgebiets, so beginnt dieselbe Hast, dieselbe Jagd wie im Petroleumhafen der Heimat. Wurde dort gelöscht, so wird hier geladen, war dort europäisches Klima, hier herrscht die Tropensonne - das ist der ganze Unterschied; kaum ein Landgang, der nicht mit dem Dienst zusammenhängt. Und nach knapp 24 Stunden geht es wieder in See, zur Rückreise.

Auch auf ihr wird nicht gefeiert. Jetzt gilt es, das Schiff mit neuem Farbanstrich zu versehen, damit der größte Feind der Eisenschiffe, der Rost, nicht die Oberhand gewinnt.

Bereits angesetzter Rost wird mit dem Rosthammer losgeklopft und mit der Stahlbürste beseitigt. Dann wird neu gemalt. Noch gut deckende Farbe wird gewaschen. Die mit Holzbelag versehenen Teilte des Decks, die Holzverkleidungen der Brücke usw. werden von ihrem alten verwitterten Oel- und und Lackanstrich befreit und neu mit Oel und Lack versehen, Messingteile werden geputzt - und dann kommt schwere See oder Regen und macht die fast beendete Arbeit zu Nichte; oft muß alles noch einmal gemacht werden.

Dieser dem Rost geltende Kampf nimmt überhaupt kein Ende. Schnell zerstört das ewig überkommende Seewasser Farben und Lade, ständig droht der Rost, und immer ist der Seemann bemüht, seinen Zerstörungen vorzubeugen.

Die Sonntage auf See gehören offiziell der Ruhe. Diese Ruhe heißt: Zeug- und Wäschewaschen und Flicken. Nur kurze Stunden bleiben der Erholung, der Lektüre und der Fortbildung.

Neben dem allen geht ununterbrochen der rein seemännische Dienst, Tag und Nacht, Sonn- und Werktags, im Hafen und auf See.

Das Essen ist hervorragend gut. So muß es auch sein, denn anders könnte die Besatzung diesen schweren Dienst, diese ununterbrochene Arbeiten gar nicht durchhalten. Freundliche, lustige Wohnräume, besondere Eßräume für alle Dienstgrade, ausreichende Wasch-, Bade- und Duschgelegenheiten sorgen für guten Gesundheitszustand. Ausreichende Ventilation im ganzen Schiff beseitigt den gesundheitsschädigenden Oeldunst fast völlig. Außerdem liegen Wohn- und Eßräume völlig getrennt von den Oeltanks.

60jährige Erfahrung hat es bedurft, uns die modernen Tankschiffe so zu schaffen, wie sie heute sind. Jeder Neubau bringt weitere Verbesserungen. Immer geht das Bestreben dahin, einen praktischen Oeltransporter mit einem wohnlichen Schiff zu kombinieren und diese scheinbaren Gegensätze zu einem alle Anforderungen erfüllenden Gesamtwert zu vereinigen.

So fahren denn jahraus - jahrein die Oelschiffe, jahraus - jahrein sind ihre Besatzungen bemüht, das Oel von seinen fernen Quellen zum wartenden Europa zu schaffen. „Zeit ist Geld“. Der Ueberseetransport des Oels bzw. seiner Produkte ist so wohldurchdacht, daß Zeitverluste, die verteuern würden, vermieden werden. Nichts darf daher den sich regelmäßig abwickelnden Plan stören, durch den allein die oelhungrige Alte Welt ihren ungeheuren Bedarf zu decken vermag. Rücksichtslos stellt der Tankschiffer alle geistigen und körperlichen Kräfte, ja Leben und Gesundheit in den Dienst des Oels. Oel und Menschen sind aber heute eins geworden, ohne Oel ist keine Wirtschaft, keine Industrie, keine Existenz der Waffen mehr denkbar. So dient der Tankschiffer unmittelbar der Menschheit.

 

(Mit Genehmigung der Standard - Dapolin - Gesellschaft)

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